Grüne Politik aus der Region Hannover

Straßenmusik in Hannover

Für alles gibt es Spielregeln. Manche funktionieren unausgesprochen, wie z.B. das sich Kassierer*innen beim Bezahlen mit Karte dezent wegdrehen. Andere sind verschriftlicht in Form von Gesetzen, Regeln und Richtlinien.

Die Regeln

Für Straßenmusiker*innen in Hannover gibt es einen Handzettel, der den Musiker*innen, die sich auf den Verkaufsmeilen der Innenstadt Hannovers ausprobieren und den einen oder anderen Euro verdienen wollen, erklärt was es zu beachten gibt. Zu aller erst bedarf es einer Genehmigung durch die Stadtverwaltung. Auf der Internetseite der Stadt heißt es dazu wörtlich:

“Das Darbieten von Musik im öffentlichen Straßenraum der Landeshauptstadt Hannover stellt grundsätzlich eine Sondernutzung dar, die einer Erlaubnis bedarf. Entsprechende Anträge sind an das Sachgebiet Eventmanagement zu stellen und werden in Ausübung pflichtgemäßen Ermessens beschieden.”

Soweit sollte allen die Spielregeln bekannt sein. Trotzdem heißt es jetzt seitens der Citygemeinschaft und der Hannover Marketing & Tourismus GmbH (HMTG), es würde zu laut, zu falsch und zu oft das selbe gespielt werden.

Die Lautstärke

museumtrumpets
(Foto: Oliver Kluck, Studio L Hannover)

Wenn ich aus aus vielen Kaufhäusern der Stadt komme, genieße ich als erstes die Ruhe, die ich im Vergleich zu der Dauerbeschallung aus der Konserve, die in machen Konsumtempeln mich eher vertreibt, als zum Kauf anregt. Zu laute Straßenmusik kann es laut der o.g. Regeln eigentlich auch nicht geben, den dort steht unter Punkt 2:

“Der Einsatz von elektroakustischen Verstärkeranlagen ist nicht zugelassen. Ebenfalls
nicht zugelassen ist der Einsatz von Radiogeräten, CD- Spielern, Kassettenrecordern
und in anderen zum Abspielen von Musik geeigneten Geräten.”

und weiter und Punkt 6:

“Die Benutzung besonders lauter Musikinstrumente ist grundsätzlich nicht erlaubt.
Dies gilt insbesondere für:  Schlagzeuge (Trommeln, Cajon und ähnliche Rhythmusinstrumente),  Blechblasinstrumente (Trompete, Posaune u.ä.) und Saxofone (sic!). Erlaubt sind jedoch Bläser und Bläsergruppen, die in der Vorweihnachtszeit (jeweils ab dem Samstag vor dem 1.Advent bis zum 24. Dezember) der Weihnachtszeit
angemessene Musik spielen.”

Somit ist die Lautstärke schon mal geregelt. Auch mehr als 4 Personen dürfen es in einer Musikgruppe nicht sein, was die Lautstärke zusätzlich einschränkt. Diese Verordnung hatte wahrscheinlich noch keinen Bestand als die Kelly Familiy noch die Straßen Hannover als Sprungbrett für ihre Karriere nutzte.

Macht des Konsumenten nutzen

Wer zu falsch spielt, bekommt kein Geld und auch jene, die zu oft das Gleiche spielen, sollten wir mit unserer Spendierfreudigkeit weniger beglücken, trotz des Hundeblicks der uns hinter dem vorgehaltenen Hut in tiefster Seele trifft, denn der Markt regiert auch bei der Straßenmusik und die Konsumenten und Konsumentinnen können so mitbestimmen, was wie oft gespielt wird. Des Weiteren sind die Musiker*innen angehalten, alle 30 Minuten ihren Standort um mindestens 100 Meter zu verlegen. Das verändert das Hörer*innenumfeld und insbesondere die schwer belasteten Verkäufer*innen, die dann nicht zum zwanzigsten die Titelmelodie aus dem Film “Der Pate” hören müssen.

Experimentierraum

Hannover- City of Music

Um die Qualität zu sichern, sollte es eine Jury geben, ist zu hören. Doch was heißt das? Es bedeutet, das junge Musiker*innen, die sich zum ersten Mal dem Publikum stellen wollen, sehr wahrscheinlich keine Chance haben. Die Combos mit geringen Repertoire hält es auch nicht fern, denn sie können die vier oder fünf Stücke, die sie fortwährend spielen, aus dem Effeff.

Kontolle

Wer kontrolliert, dass diese Regeln umgesetzt werden? Dafür ist in Hannover die Servicegruppe Innenstadt zuständig, die mit mehreren  “Asphaltranger*innen” dafür Sorge tragen, dass es in der Innenstadt alles mit rechten Dingen zugeht.

Somit: Alles in Gut in Hannover?

Da es Beschwerden gibt, muß die Servicegruppe eventuell ihr Augenmerk noch stärker auf die Einhaltung der Richtlinien haben. Vielleicht wäre es gut, wenn es eine Hotline geben würde, damit Geschäftsinhaber*innen sich direkt beschweren können, wenn die Aufenthaltsdauer überschritten wird.
Es stellt sich zudem die Frage, warum der Handzettel nicht in unterschiedlichen Sprachen  auf der Website angeboten wird, denn häufig sehe ich Straßenmusiker, die nicht oder nur bedingt der deutschen Amtssprache mächtig sind. Auch eine Fassung in leichter Sprache wäre gut.

In Berlin und London gib es zudem die Möglichkeit, dass Straßenmusiker*innen auch in den U-Bahn Stationen spielen, ein Gedanke, mit dem sich die Region Hannover und die Üstra mal beschäftigen sollten. In London gibt es dazu auf dem Boden aufgemalte Bereiche, in denen die Musiker*innen ihre Repertoire darbieten dürfen und da ein Aufenthalt in den U-Bahnstationen selten länger als 10 Minuten dauert, ist die Gefahr, das ein Song mehrmals hintereinander das Gehör traktiert, geringer.

Doch wie zu hören ist, arbeitet die Stadtverwaltung an den Regeln für das nächste Jahr. Zu hoffen bleibt, das sie weiter im Sinn der UNESCO City of Music handeln und die damit einhergehende Vielfalt erhalten.

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